//Die Spreefüxxe wollen bald reif für die erste Liga sein

Die Spreefüxxe wollen bald reif für die erste Liga sein

Wenige Minuten nur steht Vanessa Magg an diesem Abend in der Startformation der Spreefüxxe, dann wird sie für den Rest des Spiels auf die Bank verbannt. „Die Schulter“, sagt die 21-Jährige später. Diese plagt die Torschützin vom Dienst beim Berliner Handball-Zweitligisten schon seit einiger Zeit. So bleibt es im Spiel gegen das robuste Handball-Team aus Trier bei einem Kurzeinsatz. „Wir wollten nichts riskieren. Meine Schulter braucht einfach eine Pause. Ich habe in dieser Saison bisher alles mitgemacht. Jetzt brauche ich etwas Zeit zur Regeneration.“

Eine Zeit, die sie jedoch kaum hat; gestern waren die Berlinerinnen beim TuS Lintfort (Nordrhein-Westfalen) im Einsatz. Es ist ein Dilemma für die Österreicherin in Diensten der Spreefüxxe. Denn nicht nur die Schulter schmerzt, sagt die Aufbauspielerin, die so wichtig ist für die Spreefüxxe. Es tue auch weh, auf der Bank zu sitzen und zusehen zu müssen, wie ihr Team ohne sie zurechtkommen müsse. Vanessa Maggs neue Erfahrung: „Auf der Bank bin ich viel nervöser als im Spiel, weil man die Fehler besser sieht, aber nicht direkt eingreifen kann.“
Am Ende ist aller Schmerz vergessen. Die Berlinerinnen drehten das Spiel und gewannen auch ohne ihre so wichtige Aufbauspielerin mit 31:28 Toren. Sieg Nummer vier im achten Spiel. In Spiel neun am Sonntag in Lintford lief es dagegen nicht so gut. Die Spreefüxxe verloren 22:28. Mit 9:9 Punkten rangieren sie nun auf Rang sieben, weiterhin weit entfernt von einem Abstiegsplatz.

Neustart in Liga drei

Es war im Vorjahr bereits das Minimalziel, und das gilt auch in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg: der Klassenerhalt. Obwohl die Spreefüxxe einst in ganz anderen Sphären schwebten. 2014 war dem Frauenteam der Füchse Berlin erstmals der Aufstieg in die Bundesliga gelungen. Zwei Jahre lang hatten sie sich achtbar im Oberhaus geschlagen. Doch als sich dann mit einem Schlag gleich mehrere Führungsspielerinnen verabschiedeten, wurde das Team nicht mehr für Liga eins gemeldet. „Wir hätten die Spielerinnen durch teure Neuverpflichtungen ersetzen müssen, um das Niveau zu halten“, sagt Managerin Britta Lorenz. „Dafür hatten wir das Geld nicht.“ Die Folge: Neustart in Liga drei.

Dort legte das stark verjüngte Team einen Durchmarsch hin und schaffte verlustpunktfrei den Aufstieg in Liga zwei. Ein weiterer Verjüngungsprozess folgte. Inzwischen beträgt das Durchschnittsalter des Kaders 22 Jahre, auf dem Spielfeld steht nicht selten eine U21-Mannschaft. „Viele könnten noch im Nachwuchs spielen, aber wir wollen mit den jungen Talenten versuchen, ein schlagkräftiges Team für die Zukunft aufzubauen“, sagt Lorenz. Die zupackende Frau, die seit acht Jahren die Geschicke der Spreefüxxe als Managerin leitet, hat in Berlin ein Team zusammengestellt, das man als Sammelbecken deutscher und internationaler Talente bezeichnen kann.

Starker Nachwuchs

Zum großen Teil stammen die Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs, weitere kommen aus den Jugendabteilungen anderer Handballvereine oder wie die Österreicherinnen Vanessa Magg und Fabienne Humer aus dem Ausland. „Das Team kann einmal Großes leisten“, glaubt Managerin Lorenz. „Wenn es zusammenbleibt, dann können wir schon bald wieder den Aufstieg in die Bundesliga schaffen.“

Zwei Dinge zeichnen die Mannschaft allerdings bereits jetzt aus: die spielerische Eleganz und der Zusammenhalt. Was den jungen Frauen noch fehlt, ist vor allem Erfahrung und ein wenig mehr Robustheit. Bisher machen sie das mit spielerischen Mitteln wett und mit der passenden taktischen Einstellung, für die der neue Trainer Gonzalo Neto da Silva Miranda sorgt.

Akribischer Trainer

Der Portugiese trainierte zuletzt den schwedischen Handballklub Bodens BK. Da seine Frau in Halle in der Ersten Bundesliga aktiv ist, hatte Britta Lorenz „leichtes Spiel“, ihn nach Berlin, das nur zwei Autostunden von der Saale-Stadt entfernt liegt, zu locken. „Der Trainer ist sehr akribisch“, sagt Lorenz. „Er kennt jede Spielerin der Zweiten Bundesliga mit ihren Stärken und Schwächen und stellt unsere Mannschaft entsprechend ein.“

Den Rest macht das ehrgeizige Team. „Wir wollen immer gewinnen und kämpfen gemeinsam dafür“, sagt Vanessa Magg. Als sie beim Heimsieg gegen Trier früh ausschied, waren andere zur Stelle: die 19-jährige Fabienne Kunde etwa, die gleich siebenmal mit exzellenten Sprungwurf-Toren brillierte. Oder die 23-jährige Simona Kolosove. Sie sprang als Spielmacherin für die erfahrene Anna Blödorn, die sich recht früh gleich zwei Zwei-Minuten-Strafen leistete, ein und traf achtmal ins Tor. Schließlich gab Torhüterin Annabell Krüger in der zweiten Halbzeit wie schon in den Spielen zuvor mit tollen Paraden und schnellen Anspielen, die zu Kontern führten, den nötigen Rückhalt. Ihr Alter: 16 Jahre. Welch Wunder, dass da eine wie Vanessa Magg mit 21 Jahren bereits eine der Führungsspielerinnen ist.

Sie rechtfertigte das Vertrauen nicht nur mit ihren bisher erzielten 39 Toren. „Sie ist unser Motor, sie treibt das Spiel an“, lobt die Managerin. „Sie spricht die Dinge klar an, sie kann motivieren und andere mitreißen.“ Der Frau mit der Trikotnummer 77 gefällt die neue Rolle: „In meinem ersten Jahr bei den Spreefüxxen waren noch einige erfahrene Spielerinnen mehr dabei, da konnte ich mir vieles abschauen.“ Jetzt müsse sie oft selbst Verantwortung tragen. Doch Druck verspüre sie dabei nicht. „Es macht mir Spaß. Niemand erwartet von mir, dass ich in jedem Spiel zehn Tore werfe. Wenn es dann doch passiert – umso schöner.“

„Viele Verehrer“

Magg, die Sport- und Eventmanagement studiert, kam vor zwei Jahren für ein Auslandssemester aus Graz nach Berlin. Mit dem HIB Handball Graz spielte sie zuvor in der höchsten Handball-Liga Österreichs (WHA). „Ich wollte in Berlin auch spielen.“ Und so landete sie beinahe zwangsläufig bei den Spreefüxxen. Das Niveau in der zweiten deutschen Liga sei „mindestens genauso gut“ wie in der höchsten Liga Österreichs, sagt Magg. Dort beobachtet man ihren Wechsel und ihre Entwicklung genau. Größtes Lob: „Ich habe jetzt erstmals eine Einladung zur Damen-Auswahl unseres Landes erhalten“, berichtet Vanessa Magg stolz. Mit einem Einsatz rechnet die Allrounderin, die alle Nachwuchs-Auswahlteams des Landes durchlaufen hat, diesmal jedoch noch nicht. „Aber ich brenne darauf und hoffe, dass es bald soweit sein wird.“

Managerin Lorenz gönnt ihr das: „Vanessa hat einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.“ Was allerdings für das gesamte Team gelte, betont sie. Kommt da keine Angst auf, die vielen Talente könnten das Interesse lukrativer Bundesliga-Vereine wecken? Lorenz: „Eine gut aussehende Frau hat viele Verehrer. Aber so lange sie in einer glücklichen Beziehung lebt, gibt es doch keinen Grund für sie, den Partner zu wechseln.“

2018-11-20T20:50:05+00:00 November 20th, 2018|Pressberichte|0 Kommentare

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